Gesundheit! Gemeinsam für eine gute Versorgung

Die naheliegende Hausarztpraxis ist für viele die erste Anlaufstelle, die in Gesundheitsfragen Rat suchen. Aber auch Ärzte werden älter und wollen irgendwann in den verdienten Ruhestand gehen. Bereits jetzt ist absehbar, dass in der hausärztlichen Versorgung im Landkreis Verden in den kommenden Jahren viele Generationswechsel organisiert werden müssen. Gar nicht so einfach!

Junge Medizinerinnen und Mediziner wollen heute vielfach Beruf und Familie miteinander vereinbaren können, auch mal Teilzeit und eher im Angestelltenverhältnis arbeiten,

Dörte Liebetruth
Dörte Liebetruth

statt sich mit einer eigenen Hausarztpraxis allein selbstständig zu machen. Die flächendeckende ärztliche Versorgung sicherzustellen ist laut § 75 des 5. Sozialgesetzbuchs Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Deswegen hat der Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Verden Michael Schmitz kürzlich auf eine Anfrage der SPD-Kreistagsfraktion hin zur hausärztlichen Versorgung im Landkreis Verden im Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistages berichtet. Er signalisierte, dass die KVN ihrem gesetzlichen Auftrag annimmt. Das ist gut so – und muss aus meiner Sicht Folgen haben:

Kurzfristige Konsequenzen sollte die KVN mit Blick auf die Gesundheitsversorgung in der Gemeinde Dörverden ziehen, wo Generationswechsel von Hausärzten unmittelbar bevorstehen. Als gemeinsames Ziel haben wir im Ausschuss festgehalten, dass die derzeit vier Hausarztsitze in Dörverden zu erhalten sind. Die SPD im Kreistag erwartet, dass die KVN die Initiative ergreift und die Beteiligten vor Ort (dazu gehören neben dem Bürgermeister die Hausärzte, die ihre Praxis in naher Zukunft aufgeben wollen, die Apothekerin sowie ggf. Patientenvertreter) zeitnah noch vor der Sommerpause zum Gespräch einlädt. Um eine hausärztliche Unterversorgung in der Gemeinde Dörverden abzuwenden, muss die KVN-Bezirksstelle Verden es interessierten Ärztinnen und Ärzten ermöglichen, als Angestellte in Dörverden zu arbeiten – so wie kürzlich in der Ausschusssitzung in Aussicht gestellt. Da ohne die vier Hausarztsitze in Dörverden eine Unterversorgung droht, erwartet die SPD-Fraktion, dass die KVN für eine Praxisübernahme in Dörverden einen Investitionskostenzuschuss zur Verfügung stellt, sofern dies zur Problemlösung beiträgt.

Damit wir mittel- und langfristig genügend Fachkräfte für eine gute Gesundheitsversorgung für unseren Landkreis gewinnen können – nicht nur Ärztinnen und Ärzte sondern auch zum Beispiel Pflegefachkräfte – müssen wir in den kommenden Monaten und Jahren konsequent handeln. Auf Landesebene haben Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt und der KVN-Vorstandsvorsitzende Mark Barjenbruch letzte Woche ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dem die ärztliche Versorgung in Niedersachsen mit Blick auf das Jahr 2030 zukunftsfest werden soll. Dazu gehören neben der Förderung der vertragsärztlichen Versorgung auch Vorschläge zum Öffentlichen Personennahverkehr oder der Nachwuchsförderung etwa mit dem „Hausarzt-Stipendium“ für Medizinstudierende, die im ländlichen Raum Niedersachsens im Bereich Allgemeinmedizin praktizieren wollen. An einige Bausteine dieses „Konzept zur Zukunft der vertragsärztlichen Versorgung 2030“ können wir hier anknüpfen. Auch hier im Landkreis Verden ist die Zusammenarbeit aller Beteiligten gefragt, über die alten Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung hinweg, um die Gesundheitsversorgung weiter zukunftsfest zu machen. Wie ich am vergangenen Wochenende bei der Gesundheitsmesse der Aller-Weser-Klinik erleben konnte, gibt es schon viele gute Initiativen. Lassen Sie uns gemeinsam daran anknüpfen!

Dörte Liebetruth
Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses im Kreistag
Veröffentlicht in der Verdener Aller-Zeitung am 23. Mai 2017 (Verdener Gespräche)